Wetteraukreis Kreis-Anzeiger 21


Randall Taylor, ein Musiker aus Brooklyn, ist seit seiner Kindheit mit Gospels und Spirituals vertraut. In Gedern leitete er einen
Workshop. Bilder: Maresch

Der Trauer einen Ausdruck und dem Leben Hoffnung gegeben

Gospel-Workshop mit Randall Taylor vermittelte auch die Geschichte des Gospel-Gesangs


Von Elli Maresch

GEDERN. Am Anfang bedurfte es einiger Werbung, um genügend Teilnehmer zum Mitmachen zu locken. 17 Interessierte im Alter von 14 bis 50 Jahren kamen schließlich ins Haus der Evangelisch - Freikirchlichen Gemeinde.
Dort trafen sie Randall Taylor, einen farbigen Gospelmusiker, in Brooklyn/New York geboren und von Kind auf in seiner Familie wie der Gemeinde mit Gospels und Spirituals vertraut.

So hatte seine Einführung in die Ge- schichte dieser Lieder nicht Trockenes, Akademisches. Er deutete sie überzeugend als einen Ausdruck von Glaubens-, von Kreativ-, ja, von Überlebenspraxis.
Ohne die Hoffnungsbilder, die Ausdrucksmöglichkeit für Trauer, Bedrückung, Sehnsucht, Glaubenszuversicht, die diese Lieder boten, hätten die deportierten Afrikaner wohl kaum die

 

Ausbeutung der Sklaverei überstanden. In die Praxis der farbigen Kirchengemeinden Amerikas übernommen, bildeten sie ein starkes Element des Ausdrucks und der Gemeinschaft. Randall Taylor war es wichtig, die Inhalte und Bedeutung der Texte zu erklären. Er zeigte sie als weit mehr als eine Kunstform auf: als Botschaften von der Kraft und Liebe Gottes, die immer noch aktuell sind. So war der Abend mit einer gemeinsamen Mahlzeit, einer kurzen Phase des Singens, schon ein Fenster auf den Workshop, ein Vorlauf, der die Teilnehmer neugierig und motiviert machte.
Der nächste Tag begann mit Intonations - und Entspannungsübungen. Die Teilnehmer, die zunächst eher mit der hier üblichen Kopfstimme gesungen hatten, entdeckten die Möglichkeit, stärker Brust- und Zwerchfellstimme zum Klingen zu bringen. Randall Taylor führte sie durch bekannte wie durch unbekannte Gospels: „Swing low", „Yonder come day", „Say the word", „Rocka my soul".
Begeistert entdeckte die Gruppe die Fülle dieser Lieder, die weit über die hierzulande bekannten und gelegentlich

 

recht abgesungenen hinausreichen. Gemeinsame Mahlzeiten, persönliche Gespräche in den Pausen führten zu einer guten Gemeinschaft. Die immer lebendiger klingenden Lieder machten viel Freude, ihr Erarbeitungsprozess brauchte aber so viel Konzentration, daß die Teilnehmer abends wohlig müde nach Hause gingen. Als Einleitung zum Gottesdienst erklang am Sonntagmorgen das Lied „We invite you into the father's house". Sehr geschlossen, sehr authentisch erklang der Gesang der Gruppe, die doch nur so kurz miteinander geprobt hatte.
Randall Taylor berichtete aus seinem Leben, seinem Glauben und von seiner Liebe zu Deutschland. Zwei Teilnehmer erklärten spontan, wie gut sie sich beim Workshop fühlten, wieviel Freude am Singen sie hatten. Die Predigt hielt Theologiestudentin und Chormitwirkende Tanja Dittmar.
Mehrfach wurde anschließend der Wunsch nach Wiederholung dieses Workshops ausgesprochen. Der Gottesdienst selbst verklang mit dem Gospel „Witness for my Lord", der Aufforderung, Zeuge für Gott zu sein.


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